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Folgen von Corona auf den regionalen Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Blick

05.Juli 2021 | Pressemitteilung | Thema: Jugend- und Ausbildungspolitik

Die Entwicklung des Arbeits- und Ausbildungsmarktes während der Corona-Pandemie war Schwerpunkt eines Informationsgesprächs der SPD-Landtagsabgeordneten Lisa Gnadl und Frank-Tilo Becher bei der Arbeitsagentur in Gießen, zu deren Bezirk auch der Wetterau- und der Vogelsbergkreis zählen. Empfangen wurden Gnadl und Becher vom Leiter der Gießener Agentur für Arbeit, Eckart Schäfer, sowie dessen Stellvertreter und Geschäftsführer für den operativen Bereich in der Agentur, Michael Beck.

Wie Eckart Schäfer darstellte, sei die Arbeitslosigkeit im Mai 2021 im Vergleich zum Vorjahresmonat wieder um 8,4 Prozent zurückgegangen und betrug 18.066 Arbeitslose im Bezirk der Agentur. „Der Arbeitsmarkt erholt sich also wieder von den Auswirkungen der Pandemie, auch wenn wir noch über der Arbeitslosenzahl vom Mai 2019, also dem Vergleichsmonat vor dem Corona-Ausbruch, liegen, in dem wir 16.127 Arbeitslose in unserem Bereich zu verzeichnen hatten“, so Schäfer. Ebenfalls sei die Kurzarbeit, die im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 sprunghaft angestiegen war, wieder massiv gesunken. Waren im Gießener Bezirk im April des Vorjahres 46.371 Personen in Kurzarbeit gemeldet, waren es im April 2021 nur noch 1.701 Personen – ein Rückgang um 96,3 Prozent.

„Das verdeutlicht aber auch, wie wichtig es war, dass wir das Instrument der Kurzarbeit auf dem Höhepunkt der Krise hatten, um zehntausende Beschäftigte allein in unserer Region vor Arbeitslosigkeit zu schützen. Nicht umsonst wurde das deutsche Konzept des Kurzarbeitergeldes von vielen anderen Staaten kopiert. Es ist aber auch eine wichtige Leistung für die Arbeitgeber, die so ihre qualifizierten Beschäftigten halten konnten, auf sie sie jetzt im sich abzeichnenden Aufschwung wieder angewiesen sind“, so die Wetterauer Abgeordnete Lisa Gnadl, die sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag ist. Zudem habe gerade das Beispiel Kurzarbeitergeld gezeigt, wie leistungsfähig die Sozialverwaltung in Krisenzeiten sei. „Wir danken allen Beschäftigten der Arbeitsagentur, die mit viel persönlichen Einsatz und Flexibilität die Welle von Kurzarbeitsanträgen bewältigt und damit die Einkommen der Beschäftigten in Kurzarbeit gesichert haben“, so ihr Fraktionskollege Frank-Tilo Becher.

Einige Sorgen bereitet jedoch noch der Ausbildungsmarkt, auf dem die Pandemie sowohl bei den Ausbildungssuchenden als auch bei den Unternehmen für Verunsicherung gesorgt habe, wie Michael Beck von der Arbeitsagentur darstellte. So sei zwischen Mai 2020 und dem Mai des laufenden Jahres die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber auf einen Ausbildungsplatz um 7,1 Prozent zurückgegangen. Die Zahl der angebotenen Ausbildungsstellen sei sogar um 13,7 Prozent gesunken. „Dabei haben wir uns auch durch die bisherige Pandemie hindurch bemüht, den Kontakt zu den Abschlussklassen und den Ausbildungsbetrieben nicht abbrechen zu lassen. Unser Team von der Berufsberatung hat etwa den Schulen weiterhin auf freiwilliger Basis angeboten, auch vor Ort Schülerinnen und Schüler zu informieren und zu beraten“, so Beck.

Der Begleitung von jungen Menschen bei der Berufsorientierung misst auch der Gießener Landtagsabgeordnete und ausbildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Frank-Tilo Becher einen hohen Stellenwert zu, gerade weil die Daten der Arbeitsagentur gezeigt haben, dass der Ausbildungsmarkt besonders von den Corona-Folgen betroffen ist. „Daher freut es mich besonders, dass die intensive Berufsberatung an den Schulen im Agenturbezirk Gießen einen so hohen Stellenwert hat. Diese sollte eine feste Verankerung an allen Schulen bekommen, um die Schülerinnen und Schüler professionell beim Übergang in Ausbildung und Studium zu unterstützen“, so Becher.

Den Abschluss des Gesprächs bildete der Austausch über laufende längerfristige Transformationsprozesse in der Arbeitswelt, etwa in der Automobilindustrie und ihren Zulieferern. „Das betrifft auch unsere Region, wie etwa das Beispiel des Stellenabbaus bei Conti in Karben leider gezeigt hat. Hier braucht es neben einer guten sozialen Absicherung auch gezielte Weiterbildungsmöglichkeiten, um diesen Wandel auf dem Arbeitsmarkt abzusichern“, ist sich Lisa Gnadl sicher.